Mein Hund versteht Landkarten besser als ich: Urlaub mit Hund in der F…

Kristan Villanu… 26-09-21 23:54 6 0

Klara Wiesenbach, Hundetrainerin, im Gespräch über feuchte Hundepfoten, falsche Erwartungen und die Magie der Ruhe.


Die Feldberger Seenlandschaft lockt mit Wasser, Wald und Weite. Perfekt für den Vierbeiner. Etwa? Klara Wiesenbach sitzt mir gegenüber. Sie ist Hundetrainerin aus Bochum, lebte aber drei Jahre in Feldberg. Ihr Geschäft trägt den Namen „Pfotenweg". Ein Name, der Programm ist.


Zu Beginn die Frage: Sind die Feldberger Seen wirklich hundefreundlich?


Klara lacht verhalten. „Es kommt darauf an, welche Definition von Freundlichkeit Sie haben. Hier existieren keine Hundestrände mit Coca-Cola-Sonnenschirmen. Stattdessen gibt es das Erlebnis, der Erste seit Tagen zu sein, der diesen Weg geht." Neben ihr liegt ihr Rüde Benno. Ein Mischling. Graue Schnauze, gelassene Augen. „Das hier ist kein Rummelplatz. Es ist ein Ort, an dem Ihr Hund wieder Hund sein darf. Manche kommen damit nicht klar. Manchen fehlt das Koffein als Baumharz. Das ist in Ordnung. Dann reisen Sie besser an die Ostsee nach Usedom. Dort toleriert man den Hund. Hier wird er ernst genommen." Sie äußert das nicht böswillig. Ziemlich nüchtern, wie jemand, der schon zu viele Hunde gesehen hat in übermäßig engen Ferienappartements.


Wo sollte man mit dem Hund wohnen?


„Nicht in der Innenstadt von Feldberg", sagt Klara sofort. „Dort ist wenig Platz. Das touristische Treiben. Verkäufer von Eis, die Vierbeiner ablehnen, weil sie an den Hosen schnüffeln. Suchen Sie sich eine Unterkunft am Stadtrand. Noch besser ist es: in Lichtenberg oder Fürstenhagen. Viele Gasthäuser bieten mittlerweile eigene Apartments mit Terrasse und Hundebox an. Fragen Sie nach Fliegengittern. Die Stechmücken hier sind wie eine Armee." Sie kratzt Bennos Ohr. „Und prüfen Sie die Fußböden. Laminat und Hundehaare sind eine wilde Ehe. Holzböden sind besser geeignet. Und bringen Sie eigene Handtücher mit. Dickes Material. Das Tier wird pitschnass. Punkt." Sie macht eine kurze Pause. Trinkt Wasser aus einer Flasche. „Einmal hatte ich einen Gast aus Frankfurt. Er führte Beschwerde, dass sein Pudel direkt am Ankunftstag eine Zecke trug. Ja, sind wir denn im Zoo? Das ist der Wald. Das ist Natur. Wer einen Pudel hat, der nur den Frankfurter Westend-Rasen kennt, sollte vielleicht einen kleinen Trainingsurlaub machen in Feldberg. Für den Vierbeiner und den Halter." Ein schräges Schmunzeln.


Die bedeutenden Gewässer: An welchen Stellen darf der Hund ins Wasser?


„Das ist die klassische Falle. Die Urlauber sehen das saubere Wasser und meinen: Baden macht Freude. Allerdings der Haussee, der Schmaler Luzin und der Breite Luzin haben oft Badezonen ohne Hund. Am Carwitzer See ist es gemischt. Dort befindet sich ein ausgewiesener Hundestrand. Klein. Aber er ist da." Sie listet mit den Fingern auf. „Ein geheimer Tipp: Der Krüseliner See. Weniger überlaufen. Außerdem der Dreetzsee. Dort ist das Wasser weniger tief. Ideal für Hunde, die nicht gerne schwimmen. Aber Achtung: Wasservögel. Nicht jeder Vierbeiner begreift, dass die Ente kein Spielzeug ist. Und nicht jedes Geflügel kapiert, dass der Vierbeiner kein Raubtier ist. Sichern Sie Ihren Vierbeiner bei Unsicherheit mit der Leine. Es ist nicht verboten, den Vogel zu jagen. Es ist nur dumm und stressig für alle, die daran beteiligt sind." Sie beugt sich vor. „Einmal sah ich einen Mann aus München. Er war groß, mit teuren Wanderschuhen, ein Halsband aus Silikon für den Vierbeiner. Er ließ seinen Golden Retriever ins Wasser. Der Vierbeiner paddelte los. Direkt in Richtung einer Schwanengruppe. Das führte zu einem Aufstand, sage ich Ihnen. Der Mann rief ‚Hier! Hier!‘ wie ein Dirigent, dem die Stöcke ausgehen. Die Schwäne zogen ab. Der Hund kam zurück. Feuchter als der Mann in jeder Münchner S-Bahn. Der Mann war sauer auf den Hund. Ich war wütend auf den Herrn. Kapiert? Nicht der Hund muss sich anpassen. Es ist der Mensch. Im Urlaub erkennt man das sehr rasch. Im eigenen Heim ist der Hund der Chef. Hier fungiert er als Element eines natürlichen Systems. Das ist ein Unterschied wie zwischen einem Planschbecken und der Nordsee."


Was ist mit Wanderungen?


„Mein Gott, das ist der schönste Teil. Es gibt hier an Rundwanderwegen. Der Rundweg um den Schmalen Luzin zum Beispiel. Etwa zehn Kilometer. Manchmal trocken, manchmal matschig. Ideal für Vierbeiner, die gerne schnuppern. Aber nehmen Sie genug Wasser mit. Und ein leichtes Gefäß. Das Wasser der Bäche ist genießbar, aber nicht jeder Hund verträgt das. Benno als Beispiel. Der erblickt eine Pfütze und denkt: Gourmetrestaurant. Hinterher hat er Durchfall. Dann stehen Sie da, mitten im Wald, mit einem Hund, der aussieht wie ein aufgeblasener Luftballon. Dafür gibt es keine App. Nur einen Veterinär in Feldberg. Sie sind kompetent. Aber warten Sie nicht, bis es zu spät ist." Sie tippt auf ihren Rucksack. „Eine Tragehilfe für Vierbeiner. Wirkt lächerlich. Ist sie nicht. Falls das Tier nach zehn Kilometern lahm wird, tragen Sie ihn nicht auf Ihren Schultern. Glaubt mir, ich hab's versucht. Sah aus wie ein betrunkener Bergsteiger mit Wollknäuel auf dem Kopf."

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