Der Schnitt am Astkragen, den fast jeder zu tief ansetzt
Ein Strauch, der bis auf den Boden zurückgeschnitten wurde, ist nicht verloren. Anders als Nadelgehölze oder Bäume mit verholzter Krone verfügen die meisten Laubsträucher über schlafende Augen direkt an der Basis oder an kurzen Stummeln. Diese Knospen treiben nach dem Schnitt aus, sobald die Pflanze genug Reservestoffe mobilisieren kann. Entscheidend ist, ob noch lebendes Gewebe unterhalb der Schnittstelle vorhanden ist. Ein einfacher Test: Ritzen Sie die Rinde mit dem Fingernagel an. Ist darunter grünes, saftiges Gewebe sichtbar, besteht berechtigte Hoffnung. Trockenes, braunes oder schwarzes Mark bedeutet, dass dieser Trieb abgestorben ist – der Strauch kann aber aus tieferen, noch lebenden Partien neu austreiben.
Die richtige Zeit für den Schnitt ist der späte Winter oder das zeitige Frühjahr, solange der Baum noch in der Saftruhe steht. Wer unbedingt nach der Ernte eingreifen muss, weil ein Ast abgebrochen ist oder sich eine Krankheit ausbreitet, sollte sich auf das Nötigste beschränken. Ein sauberer Schnitt an einer intakten Stelle heilt besser als eine große Wunde im feuchten Herbstlaub. Der Sommer ist für Kirschen die Phase des Wachstums und der Reservestoffeinlagerung, nicht die Phase der Wundheilung.
Ein Obstbaum verzeiht viel, aber nicht jeden Schnitt. Wer eine Astpartie entfernt, legt eine Wunde frei, die der Baum über Jahre hinweg abschotten muss. Entscheidend ist dabei nicht die Größe der Säge, sondern die Lage der Schnittfläche. Der Baum heilt dort am schnellsten, wo die Wulst am Astansatz erhalten bleibt — dieser ringförmige Wulst, der Astring, ist kein Zufall, sondern gebildetes Gewebe, das die Wunde aktiv überwallt.
Holzhäcksel entziehen dem Boden beim Verrotten Stickstoff. Wer das Material im Gemüsebeet oder um stark zehrende Pflanzen verwendet, sollte deshalb vor dem Aufbringen eine dünne Schicht reifen Kompost oder Hornspäne einarbeiten. Auf diese Weise bleibt das Nährstoffgleichgewicht erhalten. Reiner Rindenmulch ist für Gemüsebeete weniger geeignet, weil er sehr langsam verrottet und den pH-Wert senken kann. Besser sind Mischungen aus Laub, Zweigen und Grünschnitt.
Die Mulchschicht darf nicht zu dick ausfallen. Zwei bis drei Zentimeter reichen aus, um Unkraut zu unterdrücken und die Verdunstung zu reduzieren. Wer mehr aufträgt, riskiert Fäulnis und Sauerstoffmangel im Boden. Besonders um junge Pflanzen und Stauden sollte ein Abstand von einigen Zentimetern zum Stängel eingehalten werden, damit sich keine Feuchtigkeit am Wurzelhals staut. Für Wege, unter Hecken oder zwischen Beerensträuchern sind dickere Schichten dagegen unproblematisch.
Ein weiterer typischer Fehler ist der Schnitt in den kahlen Bereich eines starken Astes. Kirschen reagieren darauf mit langen, weichen Neutrieben, die im Winter zurückfrieren. Statt eines kompakten Kronenaufbaus entsteht ein buschiges Durcheinander. Wer nach der Ernte schneidet, weil der Baum zu dicht ist, verschlimmert das Problem meist, statt es zu lösen. Das gilt besonders für Süßkirschen, die von Natur aus aufrecht und sparrig wachsen.
Warum der Baum nach der Ernte keine Wartezeit mag Ein Kirschbaum, der nach der Ernte geschnitten wird, kann die entstandene Wunde nicht mehr rechtzeitig mit Wundgewebe verschließen. Die Pilzsporen von Monilia und anderen Erregern finden in der warmen, feuchten Sommerluft ideale Bedingungen. Es entsteht kein sauberer Abschluss, sondern eine offene Eintrittspforte. Zusätzlich fehlt dem Baum die Zeit, die Nährstoffe aus den geschnittenen Trieben zurückzuziehen und in den Stamm oder die Wurzeln zu verlagern. Diese Reserven gehen verloren und fehlen im nächsten Frühjahr beim Austrieb.
Nach dem Schnitt wird nichts abgedichtet. Wundverschlussmittel behindern die natürliche Düfte Überwallung und halten Feuchtigkeit unter der Schicht, was Fäulnis begünstigt. Der Baum bildet aus eigener Kraft Kallusgewebe, das die Wunde vom Rand her verschließt. Wichtig ist nur, dass die Schnittfläche glatt ist und nicht gequetscht wurde. Eine scharfe Säge mit passender Zahnung schneidet sauber, Flur Gestalten während eine stumpfe Säge das Gewebe zerfasert und die Heilung verzögert.
Der Schnitt von Kirschbäumen nach der Ernte ist kein Notfallprogramm für ungeduldige Gärtner, sondern ein Eingriff mit klaren Regeln. Wer Beleuchtung im Wohnzimmer Juli oder August zur Säge greift, weil der Baum gerade leer ist, riskiert mehr als nur ein paar Wunden. Kirschen bilden ihre Blütenknospen für das Folgejahr bereits im Sommer des Vorjahres aus. Ein Schnitt in dieser Phase trifft genau die Triebe, an denen sich der Ertrag entscheidet. Das ist der Grund, warum viele Bäume nach einem Sommerrückschnitt im nächsten Jahr kaum Früchte tragen.
Warum ein Stummel mehr schadet als eine große Wunde Ein zurückgelassener Stummel verrottet langsam. Er zieht Pilze und Bakterien an, die über die offene Schnittstelle in das Holz eindringen und bis in den Stamm wandern können. Die Wulst kann einen solchen Stummel nicht überwallen, weil sie nur dort wächst, wo lebendes Gewebe direkt an die Wunde grenzt. Deshalb gilt: Der Schnitt erfolgt so, dass die Schnittfläche mit der Außenkante der Wulst abschließt, ohne sie zu verletzen. Bei dünnen Ästen genügt eine scharfe Schere oder Säge; bei starken Ästen arbeitet man in zwei Schritten, um ein Abreißen der Rinde zu verhindern.
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