Verjüngungsschnitt: radikaler Kahlschlag oder ein Drittel pro Jahr?

Dixie 26-09-13 09:08 2 0

So wird der Drittelschnitt in der Praxis umgeset

Die Gruppe erkennt man an der Hauptblütezeit. Blüht die Clematis im zeitigen Frühjahr bis Mai, gehört sie fast immer zur Gruppe 1. Sorten wie Clematis alpina oder Clematis montana fallen darunter. Blüht sie im Mai und Juni, oft mit einer zweiten, schwächeren Blüte im Spätsommer, ist es Gruppe 2, zum Beispiel Clematis florida oder die großblumigen Sorten. Blüht sie erst ab Juli bis in den Herbst hinein, handelt es sich um Gruppe 3, etwa Clematis jackmanii oder Clematis viticella. Ein Blick auf den Austrieb hilft: Gruppe 1 treibt früh und buschig aus den alten Ranken, Gruppe 3 treibt spät und kräftig aus dem Boden.

Warum der Zeitpunkt wichtiger ist als die Technik Wer im Herbst schneidet, öffnet der Pflanze Wunden vor dem Frost. Diese Wunden heilen nicht, sie reißen auf und bieten Pilzsporen sowie Insekten einen Winterplatz direkt an der Fassade. Der Spätwinter dagegen liegt kurz vor dem Austrieb. Die Pflanze kann die Schnittstellen sofort mit neuem Gewebe verschließen. Auch der Druck auf die Wand sinkt: Entfernt man jetzt die alten Triebe, wächst bis zum Sommer nur ein lockerer, junger Bewuchs nach. Dieser lässt Luft an die Fassade und verhindert, dass sich Feuchtigkeit staut. Genau dieser Luftspalt entscheidet darüber, ob die Wand nach Jahren noch trocken ist oder ob der Putz abblättert.

Die Verteilung ist wichtiger als die reine Summe. Zwei Ruten mit je fünf Augen treiben gleichmäßiger aus als eine Rute mit zehn Augen, weil die apikale Dominanz – der stärkere Austrieb an der Rutenspitze – sonst die unteren Augen unterdrückt. Besonders bei Sorten mit aufrechter Wuchsform und bei jungen Reben sollte man die Augen lieber auf zwei Ruten verteilen. Bei schwacher Wüchsigkeit oder in kühlen Lagen ist eine kürzere Rute mit weniger Augen sinnvoll, damit die verbleibenden Triebe ausreifen.

Wer Clematis schneidet, ohne die Schnittgruppe zu kennen, riskiert, dass die Pflanze jahrelang nicht blüht oder sogar abstirbt. Die Schnittgruppe ergibt sich aus der Blühzeit und dem Holz, an dem die Blüten sitzen. Es gibt drei Gruppen: Gruppe 1 blüht am einjährigen Holz des Vorjahres, Gruppe 2 am Kurztrieb des Vorjahres und Gruppe 3 am Neuaustrieb des laufenden Jahres. Die Zuordnung ist entscheidend, denn ein falscher Schnitt entfernt genau die Knospen, die im nächsten Jahr blühen sollen.

Wer sicher gehen will, arbeitet mit einer einfachen Kontrolle: Morgens vor dem Gießen die Triebspitzen zwischen Daumen und Zeigefinger drücken. Fühlen sie sich fest und trocken an, ist der Saftdruck noch niedrig. Sind sie weich und feucht, läuft der Austrieb. Ein Schnitt an einem trockenen, kühlen Vormittag ist immer günstiger als an einem warmen Nachmittag, weil die Pflanze dann langsamer blutet und die Wunde schneller verschließt. Nach dem Schnitt zwei Tage nicht gießen und keine stickstoffhaltigen Dünger geben.

hq720.jpgAlte Sträucher verlieren mit den Jahren ihre Blühfreudigkeit. Die Triebe werden immer zahlreicher, immer dünner und immer kürzer. Wer dann zur Säge greift und alles auf den Stock setzt, riskiert viel: Manche Gehölze treiben nach einem radikalen Rückschnitt nur kümmerlich wieder aus, andere sterben ganz ab. Der schonende Weg sieht vor, über mehrere Jahre hinweg jeweils ein Drittel der ältesten Triebe zu entfernen. So bleibt der Strauch in Form, ohne dass er einen Schock erleidet.

So schneidet man die drei Gruppen richtig Gruppe 1 wird nach der Blüte geschnitten, also Pflanzen im Innenraum späten Frühjahr oder Frühsommer. If you liked this post and you would certainly like to get more details concerning Http://ossenberg.ch/ kindly go to the web-site. Man entfernt nur abgestorbene, schwache oder zu dicht stehende Triebe. Ein Rückschnitt ins alte Holz ist nicht nötig und schadet, weil die Pflanze dann kaum noch blüht. Gruppe 2 schneidet man ebenfalls direkt nach der ersten Blüte, aber vorsichtig: Man kürzt die Triebe um etwa ein Drittel ein und entfernt nur die Spitzen. So fördert man die zweite Blüte und hält die Pflanze kompakt. Gruppe 3 wird im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr stark zurückgeschnitten, auf 20 bis 30 Zentimeter über dem Boden. Man lässt zwei bis drei Knospenpaare stehen. Ohne diesen Rückschnitt verkahlt die Pflanze von unten und blüht nur noch oben.

Nach dem Schnitt kontrolliert man den Abstand zwischen Pflanze und Wand. Wo Triebe den Putz berühren, werden sie mit kleinen Abstandshaltern oder einem Spalier auf Distanz gehalten. Das ist der eigentliche Schutz: Nicht der Schnitt allein, sondern der freie Raum dahinter verhindert Staunässe. Wer diesen Abstand einhält, verlängert die Lebensdauer der Fassade um mehrere Jahre. Ein Rückschnitt im Spätwinter wirkt also doppelt – er entfernt den alten Bewuchs und schafft die Bedingungen, unter denen die Wand atmen kann.

Vor NatüRliche DüFte dem Schnitt prüft man den Zustand der Wand. Sitzen Algen oder Moos zwischen den Trieben, werden sie mit entfernt, nicht einfach überwachsen. Lose Putzstücke und abblätternde Farbe gehören ebenfalls abgenommen, sonst zieht die Feuchtigkeit unter die neue Schicht. Arbeite mit einer scharfen, desinfizierten Schere. Unsaubere Schnitte sind die Hauptursache für Fäulnis am Ansatz. Bei starkem Bewuchs schneidet man in zwei Durchgängen: zuerst das grobe Gerüst, dann die feinen Triebe. So bleibt die Form erhalten und die Fassade wird nicht durch herabfallende Äste beschädigt.

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