Sauberer Schnitt an der Knospe, den viele falsch ausführen

Yukiko 26-10-11 06:08 3 0

Für alle am alten Holz blühenden Hortensien gilt: Wenn überhaupt geschnitten wird, dann nur nach der Blüte. Entfernt werden abgestorbene Triebe, schwache Zweige und solche, die nach innen wachsen. Ein jährlicher starker Rückschnitt ist weder nötig noch sinnvoll. Bei den am neuen Holz blühenden Arten dagegen darf die Schere im Frühjahr kräftig ran. Wer diese Unterscheidung einmal verinnerlicht, hat jedes Jahr zuverlässig Blüten statt grüner Blätter.

Für empfindliche Kulturen wie Kräuter oder junge Gemüsepflanzen ist die Hand oft das beste Werkzeug. Bei festeren Ruten oder dichter Verwurzelung hilft ein schmaler Handgrubber oder eine Pflanzkelle. Steche parallel zur Rute in den Boden, lockere die Erde leicht und ziehe die Rute dann vorsichtig heraus. Vermeide ruckartige Bewegungen, denn sie beschädigen das Wurzelwerk der stehenbleibenden Pflanzen. Ein häufiger Fehler ist das Abschneiden der Ruten auf Bodenhöhe. Die Wurzeln treiben dann erneut aus, und das Problem kehrt zurück. Deshalb ist das vollständige Ausreißen die bessere Methode.

Zunächst wird nur die Blüte entfernt. Der Schnitt liegt etwa einen Zentimeter über dem ersten kräftigen, fünfzähligen Blatt unterhalb des Blütenstands. Dieses Blatt zeigt nach außen, sodass der neue Trieb nicht in die Mitte wächst und sich mit anderen Zweigen kreuzt. Bei gefüllten Sorten mit vielen Kronblättern bleibt oft ein Rest stehen. Ein zweiter, sauberer Schnitt direkt über dem Blatt entfernt ihn vollständig, Raumteiler ohne Sichtschutz den Stiel zu verletzen.

Für den Schnitt setzt man eine scharfe, desinfizierte Schere an. Die Klinge wird etwa fünf Millimeter über der Knospe angesetzt, mit der Schneide zur Knospe hin, und in einem Zug durchgezogen. Der Schnitt verläuft leicht schräg, mit der höchsten Stelle auf der der Knospe abgewandten Seite, damit Wasser abläuft und nicht in die Knospe läuft. Ein zweiter, korrigierender Schnitt ist zu vermeiden, denn jede Nachschneidung vergrößert die Wunde und verzögert den Austrieb erneut.

Pflaume und Zwetschge werden oft synonym verwendet, doch gärtnerisch verhalten sie sich unterschiedlich. Die Zwetschge (Prunus domestica subsp. domestica) wächst aufrechter, bildet schmalere Kronen und trägt am zweijährigen Holz. Die Pflaume (Prunus domestica subsp. italica) ist breiter, hängender und fruchtet häufig schon am einjährigen Trieb. Wer auslichtet, muss diese Differenz kennen, sonst schneidet man genau die Knospen weg, die im Folgejahr tragen sollen. Beide Arten bilden Blütenknospen im Sommer des Vorjahres – ein Rückschnitt im Frühjahr entfernt also bereits angelegte Blüten. Deshalb ist der Zeitpunkt entscheidend: Auslichten gehört in die Zeit nach der Ernte, spätestens bis Ende August, nicht in den März.

Schnittzeitpunkt und die richtigen Äste find

Viele glauben, der Schnitt an der Knospe sei reine Formsache. Tatsächlich entscheidet die Qualität dieses einen Schnitts darüber, ob die darunterliegende Knospe innerhalb weniger Tage austreibt oder ob sie wochenlang ruht und schließlich eintrocknet. Der Grund liegt in der Wundreaktion der Pflanze: Eine gequetschte, ausgefranste Schnittfläche bildet eine breite Nekrosezone, die das darunterliegende Gewebe mit Wuchshemmstoffen flutet. Ein glatter Schnitt hingegen setzt nur minimale Verwundung und lässt die Knospe unbehelligt.

Nach dem Schnitt sollte die Wunde nicht mit dickem Wundverschlussmittel behandelt werden, das den Gasaustausch behindert. Bei dünnen Trieben genügt der natürliche Wundverschluss. Kontrolliert wird das Ergebnis nach etwa zehn Tagen: Eine gesunde Knospe schwillt an, verfärbt sich heller und beginnt auszutreiben. Bleibt sie unverändert, Raumteiler ohne Sichtschutz war der Schnitt zu unsauber, zu weit entfernt oder die Knospe war bereits geschädigt. In diesem Fall schneidet man tiefer nach, bis auf gesundes Holz, und wartet erneut ab.

Wer regelmäßig schneidet, erkennt den Zusammenhang schnell: Nicht die Menge der Schnitte fördert den Austrieb, sondern die Präzision des einzelnen Schnitts an der Knospe. Ein einziger sauberer Schnitt bringt mehr als mehrere korrigierende Versuche.

Wie der Schnitt physiologisch auf die Knospe wirkt Direkt über einer Knospe sitzt ein Konzentrat von Auxin, das den Austrieb hemmt. Wird der Trieb über der Knospe abgeschnitten, fällt diese Auxinquelle weg. Ein sauberer Schnitt entfernt das hemmende Gewebe vollständig und öffnet zugleich die Wasserleitung zum Knospengewebe. Ein unsauberer Schnitt hinterlässt gequetschte Zellen, die den Saftstrom blockieren, und die Knospe bleibt trotz Entfernung der Triebspitze gehemmt. Der Unterschied ist oft schon nach einer Woche sichtbar: glatte Wunde, Pflanzen im Innenraum praller Knospenaustrieb gegen braune, vertrocknete Knospe.

Typische Fehler sind ein zu großer Abstand zur Knospe, sodass ein langer Stummel stehen bleibt, der zurücktrocknet und die Knospe mitzieht. Ebenso falsch ist ein Schnitt direkt in die Knospe hinein, der sie verletzt oder ganz entfernt. Häufig wird auch zu früh im Jahr geschnitten, wenn die Knospe noch nicht ausreichend ausdifferenziert ist; dann treibt sie zwar an, verkümmert aber bei der ersten Kältewelle. Ein weiterer Fehler ist der Schnitt mit stumpfem Werkzeug, der das Holz quetscht statt es zu trennen.

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